In meiner täglichen Arbeit begegne ich häufig Männern, die nach außen hin fest im Leben stehen. Sie sind erfolgreich im Job, geschätzte Freunde oder engagierte Väter. Doch sobald die Haustür hinter ihnen ins Schloss fällt und die Stille der Wohnung sie empfängt, geschieht etwas Merkwürdiges: Ein tiefes Unbehagen steigt auf.

Die Unfähigkeit, alleine zu sein, ist ein Thema, das oft schambesetzt ist – gerade bei Männern. „Ich muss doch alleine klarkommen“, ist ein Satz, den ich in der Beratung oft höre. Doch die Realität sieht meist anders aus: Die Angst vor der inneren Leere ist so groß, dass sie sich von einer Beziehung in die nächste stürzen oder jede freie Minute mit Arbeit und Ablenkung füllen.

Wenn die Stille zum Feind wird

Warum fällt es so vielen Männern schwer, mit sich selbst im Reinen zu sein? In der Onlineberatung gehen wir diesen Ursachen gemeinsam auf den Grund. Oft liegen die Wurzeln tiefer, als es auf den ersten Blick scheint:

Die Angst vor der inneren Stimme

Wenn es im Außen ruhig wird, werden die inneren Stimmen laut. Selbstzweifel, unverarbeitete Konflikte oder Gefühle von Unzulänglichkeit drängen an die Oberfläche. Wer nicht gelernt hat, diese Emotionen zu regulieren, empfindet die Stille nicht als Erholung, sondern als Bedrohung.

Identität nur durch Spiegelung

Viele Männer definieren ihren Wert fast ausschließlich über ihre Rollen – als Partner, Versorger oder Macher. Ohne ein Gegenüber, das ihnen diese Rollen bestätigt, fühlen sie sich substanzlos. Es ist fast so, als würden sie ohne „Publikum“ ihre Existenzberechtigung verlieren.

Veraltete Männlichkeitsbilder

Wir tragen oft noch das Erbe des „einsamen Wolfs“ in uns, der keine emotionalen Bedürfnisse hat. Werden diese Bedürfnisse nach Nähe und Geborgenheit jahrelang unterdrückt, verwandeln sie sich im Alleinesein oft in eine diffuse, beängstigende Unruhe.

Der Weg aus der Flucht

Alleine zu sein bedeutet nicht zwangsläufig, einsam zu sein. Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen der schmerzhaften Einsamkeit und der heilsamen Zeit mit sich selbst. Der Weg dorthin führt meist nicht über radikale Isolation, sondern über kleine, achtsame Schritte zurück zu sich selbst.

In der Beratung arbeiten wir oft daran, das Alleinesein wieder als einen sicheren Raum zu erfahren. Das kann bedeuten, die Stille erst einmal bewusst für zehn Minuten auszuhalten, ohne zum Smartphone zu greifen oder den Fernseher einzuschalten. Es geht darum, zum Beobachter der eigenen Angst zu werden: „Da ist sie wieder, die Unruhe. Was will sie mir eigentlich sagen?“

Wer mit sich selbst alleine sein kann, geht Beziehungen nicht mehr aus einer emotionalen Notlage heraus ein, sondern aus echter Freiheit.

Die Freiheit, sich selbst genug zu sein

Wenn Sie lernen, die Zeit mit sich selbst aktiv zu gestalten, statt sie nur mühsam zu „überstehen“, verändert das Ihre gesamte Ausstrahlung. Sie werden unabhängiger von der Bestätigung anderer und gewinnen eine neue Form der inneren Souveränität. Das Alleinesein wird vom Schreckgespenst zum Kraftort, an dem Sie Ihre Batterien wirklich aufladen können.

 

Liebe Leserinnen und Leser,

das Alleinesein ist wie ein Muskel, den wir trainieren können. Es erfordert Mut, sich dem zu stellen, was in der Stille auftaucht. Aber ich verspreche Ihnen: Auf der anderen Seite der Angst wartet eine tiefe Begegnung mit sich selbst, die jede Mühe wert ist. Wenn Sie spüren, dass die Angst vor der Leere Sie kontrolliert, bin ich gerne in meiner Onlineberatung für Sie da, um gemeinsam mit Ihnen erste Schritte in die Freiheit zu gehen.

Rainer Schwenkkraus

Berater und Autor