Wir leben in einer Zeit, in der kluge Ratschläge und philosophische Konzepte nur einen Klick entfernt sind. Wir lesen über Achtsamkeit, über stoische Ruhe oder moderne Stressbewältigung. Wir verstehen die Logik dahinter: „Reg dich nicht über Dinge auf, die du nicht ändern kannst.“ Doch in meiner Beratungspraxis zeigt sich immer wieder ein frustrierendes Phänomen: Die Menschen kommen oft gar nicht so weit, diese Konzepte anzuwenden.

Obwohl der Wille da ist, verlassen sie die Pfade der Gelassenheit in dem Moment, in dem es darauf ankommt. Warum ist das so?

Das Hauptproblem: Wenn alte Muster die Vernunft kapern

Das Hauptproblem rührt daher, dass alte Muster aus der Kindheit immer noch aktiv sind. Diese Muster fungieren wie eine unsichtbare Barriere. In dem Moment, in dem wir getriggert werden – sei es durch Kritik, Ablehnung oder Stress – schaltet unser System auf Autopilot.

In diesem Zustand sind wir nicht mehr die reflektierten Erwachsenen, die wir gerne wären. Wir sind wieder das Kind von damals, das gelernt hat, dass es sich anpassen, kämpfen oder flüchten muss, um sicher zu sein.

Warum wir oft keinen Zugang zu philosophischen Konzepten haben

Es ist eine wichtige Erkenntnis meiner Arbeit: Solange diese alten Prägungen aktiv sind, haben wir gar keinen echten Zugang zu philosophischen oder vernünftigen Ansätzen.

Die Hierarchie unserer Gefühle

Unser Gehirn priorisiert das Überleben und die emotionale Sicherheit. Wenn ein altes Muster aus der Kindheit signalisiert: „Das ist gefährlich!“, dann wird der präfrontale Cortex – also der Teil unseres Gehirns, der für Logik und Philosophie zuständig ist – schlichtweg abgeschaltet.

Das Gefühl der Ohnmacht

Viele Klient*innen werfen sich dann vor, nicht „stark genug“ oder „nicht diszipliniert genug“ zu sein. Doch es hat nichts mit mangelnder Disziplin zu tun. Es ist ein biologischer Vorgang: Ein altes, emotionales Programm überschreibt die neue, rationale Software. Man kann nicht philosophieren, während das innere System „Alarm“ schreit.

Der notwendige Umweg über die eigene Biografie

Um zu einer echten, dauerhaften Gelassenheit zu finden, müssen wir den Blick erst einmal von den klugen Konzepten weg und hin zu den eigenen Wurzeln lenken.

Den Autopiloten verstehen

Wir müssen verstehen, welche „Dinge aus der Kindheit“ heute noch dafür verantwortlich sind, dass wir die Fassung verlieren.

  • Ist es das Bedürfnis nach Perfektion?
  • Ist es die Angst vor Liebesentzug?
  • Ist es die Rolle, die wir in unserer Herkunftsfamilie einnehmen mussten?

Vom Verstehen zum Fühlen

Erst wenn wir diese Muster identifizieren und auf einer emotionalen Ebene bearbeiten, entsteht der Raum, den wir für Gelassenheit brauchen. Wir müssen das Fundament sanieren, bevor wir die philosophische Dekoration anbringen können. Nur wenn die alten Wunden keine akuten Schmerzen mehr verursachen, bleibt der Kopf klar genug, um in schwierigen Situationen besonnen zu reagieren.

Gelassenheit als Ergebnis von innerer Klärung

Wahre Gelassenheit ist also kein Konzept, das man einfach „lernt“ wie eine Vokabel. Sie ist das Resultat einer inneren Aufräumarbeit. Wenn die alten Muster ihren Griff lockern, kehrt die Handlungsfähigkeit zurück. Dann – und erst dann – werden philosophische Ansätze zu wertvollen Werkzeugen, die uns im Alltag stützen können.

Liebe Leserinnen und Leser,

in meiner Onlineberatung begleite ich Sie dabei, genau diesen Zugang wiederzufinden. Wir schauen uns nicht nur das Ziel an, sondern räumen gemeinsam die Steine beiseite, die Ihnen den Weg dorthin versperren.

Rainer Schwenkkraus

Berater und Autor