In diesen Tagen scheint die Welt um uns herum in ein warmes Licht getaucht zu sein. Überall begegnen uns Bilder von lachenden Familien, festlich gedeckten Tischen und der Verheißung von tiefer Geborgenheit. Doch in meiner Arbeit als Berater erlebe ich jedes Jahr aufs Neue, dass dieses Idealbild für viele Menschen eine schmerzhafte Kehrseite hat.

Wenn das „Fest der Liebe“ vor der Tür steht, wird die Stille in den eigenen vier Wänden oft nicht als friedlich, sondern als drückend empfunden. In einem meiner letzten Beiträge habe ich darüber geschrieben, wie wir Einsamkeit überwinden können, und dabei betont, dass Einsamkeit oft weniger mit der Abwesenheit von Menschen zu tun hat, sondern vielmehr mit einer fehlenden authentischen Verbindung – zu anderen, aber vor allem zu uns selbst.

An Weihnachten erreicht diese Erfahrung oft eine neue Intensität. Wir spüren die verschiedenen Ebenen der Einsamkeit deutlicher als sonst:

  • Die soziale Einsamkeit schmerzt, wenn der Platz am Tisch leer bleibt oder das soziale Netz durch Brüche und Verluste dünner geworden ist.
  • Die emotionale Einsamkeit wiegt schwer, wenn man zwar unter Menschen ist, sich aber mit seinen wahren Gefühlen nicht gesehen fühlt – vielleicht sogar inmitten der eigenen Familie.
  • Die existenzielle Einsamkeit begegnet uns in der Erkenntnis, dass wir in manchen Momenten letztlich auf uns selbst zurückgeworfen sind, besonders wenn das Jahr zu Ende geht und wir Bilanz ziehen.

Die Erwartungshaltung, die uns von außen suggeriert wird, wirkt an diesen Tagen wie ein Brennglas auf das, was uns im Leben gerade fehlt. Doch ich möchte Sie einladen, die Perspektive aus meinem Artikel auch hier anzuwenden: Betrachten Sie dieses Gefühl als einen „Boten an Ihrer Tür“. Was möchte die Einsamkeit Ihnen gerade zeigen? Vielleicht ist es die Sehnsucht nach mehr Wahrhaftigkeit in Ihren Beziehungen oder der Ruf nach einer liebevolleren Zuwendung zu sich selbst.

In der Beratung sehe ich oft, dass der Versuch, die Einsamkeit mit künstlicher Fröhlichkeit zu überdecken, den Schmerz nur vergrößert. Ein Weg zu mehr innerem Frieden beginnt dort, wo wir aufhören, gegen das Gefühl anzukämpfen. Es ist völlig okay, wenn Ihnen in diesen Tagen nicht nach Feiern zumute ist. Sie müssen dieses Gefühl nicht weglächeln. Manchmal hilft es schon, die Perspektive ein klein wenig zu verschieben – weg vom Perfektionsanspruch hin zu einer sanften Selbstfürsorge. Fragen Sie sich: Was würde mir heute guttun, fernab von allen Traditionen?

Wichtig ist mir jedoch eines: Sie müssen mit dieser Schwere nicht allein bleiben. Der Weg zur Selbstverbindung, von dem ich oft spreche, braucht manchmal eine Brücke im Außen. Eine Stimme, die uns daran erinnert, dass unsere Empfindungen gültig sind und wir gehört werden.

Ich bin für Sie da. Sollten Sie merken, dass Ihnen an Weihnachten die Decke auf den Kopf fällt, die Stille zu laut wird oder die Gedanken zu dunkel werden, zögern Sie bitte nicht, zum Hörer zu greifen. Ich bin an Weihnachten telefonisch für Sie erreichbar. Manchmal reicht ein Gespräch, um den Druck aus der Situation zu nehmen und wieder Boden unter den Füßen zu spüren.

Sie erreichen mich unter: 07442-6064991‬

Ein Gespräch kann ein Anker sein, der verhindert, dass man in der Stille verloren geht. Lassen Sie uns gemeinsam einen Moment der Verbindung schaffen.

 

Liebe Leserinnen und Leser,

ich weiß aus vielen Gesprächen, wie herausfordernd diese Tage sein können. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in all dem Trubel – oder gerade in der Stille – einen Moment finden, in dem Sie ganz sanft und liebevoll mit sich selbst sein können. Denken Sie daran: Es ist nur ein Datum im Kalender, und Sie müssen es nicht perfekt meistern. Wenn es schwer wird, bin ich nur einen Anruf weit weg. Passen Sie gut auf sich auf.

Rainer Schwenkkraus

Berater und Autor