Eigentlich könnte alles so schön sein. Doch statt die gemeinsame Zeit zu genießen, schleicht sich ein beklemmendes Gefühl ein: „Was ist, wenn mein Partner mich verlässt?“ oder „Bin ich gut genug, damit er oder sie bleibt?“ Verlustangst ist ein häufiger Grund, warum Menschen meine Onlineberatung aufsuchen. Sie ist kein Zeichen von Schwäche, sondern oft ein Echo früherer Erfahrungen, das uns im Heute einholt.

Das Gefühl, „getriggert“ zu werden: Wenn die Vergangenheit das Jetzt übernimmt

Viele Betroffene beschreiben einen Zustand, in dem eine harmlose Situation – etwa eine verspätete Antwort auf eine Nachricht oder ein kurzer, abwesender Blick des Partners – eine heftige emotionale Reaktion auslöst. Wir nennen das „getriggert werden“.

In diesem Moment übernimmt das emotionale Gedächtnis die Kontrolle. Es fühlt sich nicht wie eine kleine Unsicherheit an, sondern wie eine existenzielle Bedrohung. Der Körper schaltet in den Überlebensmodus: Das Herz rast, die Gedanken kreisen und ein Tunnelblick entsteht. Wer getriggert wird, reagiert in diesem Augenblick nicht mehr auf die aktuelle Situation, sondern auf den Schmerz einer alten Wunde. Die Angst ist dann so real, als würde die Trennung bereits vollzogen werden.

Wenn die Angst zur Flucht führt: Die paradoxe Trennung

Ein besonders schmerzhaftes Phänomen der Verlustangst ist die Tendenz, die Beziehung proaktiv zu beenden. Es klingt paradox: Man liebt den anderen sehr, verlässt ihn aber trotzdem.

Der Grund dafür ist oft ein unerträglicher innerer Druck. Die Erwartungsangst – das ständige Warten auf den „unvermeidlichen“ Schlag – wird so quälend, dass die Betroffenen die Kontrolle zurückgewinnen wollen. Nach dem Motto: „Bevor du mich verlässt und mich zerstörst, gehe ich lieber selbst.“ Diese Selbstsabotage dient als Schutzmechanismus, um dem befürchteten Schmerz des Verlassenwerdens zuvorzukommen. Man wählt den Schmerz der Trennung, den man selbst kontrollieren kann, gegenüber der Ohnmacht, verlassen zu werden.

Der Weg aus der emotionalen Dynamik

Um diese Muster zu durchbrechen, ist es wichtig, den Fokus schrittweise von der anderen Person zurück zu sich selbst zu lenken. Ein erster Schritt ist die Selbstreflexion. Es gilt zu verstehen, woher der „Rucksack“ kommt, den Sie tragen. Sind es Erfahrungen aus der Kindheit oder Verletzungen aus früheren Partnerschaften? Wenn wir den Ursprung der Angst kennen, können wir lernen, zwischen der alten Wunde und der aktuellen Realität zu unterscheiden.

Parallel dazu steht die Stärkung des Selbstwerts. Verlustangst gedeiht dort, wo man glaubt, ohne den anderen nicht bestehen zu können. Ziel der Beratung ist es daher, ein gesundes inneres Wachstum und Unabhängigkeit zu fördern. Das bedeutet nicht, weniger zu lieben, sondern die eigene Vollständigkeit zu erkennen. Sie lernen, dass Sie auch allein „ganz“ sind – und dass die Anwesenheit des Partners ein Geschenk ist, aber keine Überlebensnotwendigkeit.

Schließlich spielt die transparente Kommunikation eine Schlüsselrolle. Statt dem Partner Vorwürfe zu machen oder ihn durch Kontrolle einzuengen, hilft es, über die eigene Verletzlichkeit zu sprechen. Ein Satz wie: „Ich merke gerade, dass ich getriggert bin und Angst bekomme, das hat aber mehr mit meiner Geschichte zu tun als mit deinem Verhalten“, kann den Druck massiv senken.

Liebe Leserinnen und Leser,

Verlustangst muss nicht das Ende Ihrer Partnerschaft bedeuten, sondern kann der Anfang eines wertvollen persönlichen Wachstums sein. In meiner Onlineberatung unterstütze ich Sie dabei, diese alten Muster zu entlarven und wieder Vertrauen in sich selbst und Ihre Beziehung zu finden. Wenn die Angst nicht mehr das Steuer führt, entsteht Raum für echte Freiheit und Nähe.

Rainer Schwenkkraus

Berater und Autor